Atlantik und Kanarische Inseln

Das Abenteuer Atlantik beginnt

Wir segeln zu den Kanarischen Inseln. La Graciosa, eine kleine Insel vor der Küste Lanzarotes, soll unsere erste Station sein. Bis dahin sind es aber fast 600 Seemeilen, sodass wir eine Woche auf See sein werden. Der kritische Teil der Passage zu den Kanaren ist gleich am Anfang zu bewältigen: Die Straße von Gibraltar mit ihren Strömungen, dem Schiffsverkehr und den unberechenbaren Winden. Wir laufen um 15.00 Uhr mit dem Kentern des Stromes, drei Stunden nach Hochwasser Gibraltar aus. Der Wind frischt zunehmend auf, zum Glück weht er für uns günstig von achtern. Die Straße von Gibraltar spuckt uns regelrecht aus. Bei Tarifa wird es bereits dunkel, überall um uns herum sind “Dicke Pötte”. Die Dunkelheit hat jedoch den Vorteil, dass wir die inzwischen furchterregend hohen Wellen nicht mehr sehen müssen. Wir hören nur noch das Rauschen, ab und zu kommt Gischt über. Später erfahren wir, dass es die ganze Nacht mit bis zu 9 Beaufort geweht hat. Als es hell wird lässt der Wind glücklicherweise nach und wir gehen einigermaßen zermürbt von der für uns beide schlaflosen Nacht auf direkten Kurs nach La Graciosa. An Deck finden wir fliegende Fische, die in der Nacht von ihrem Kurs abgekommen sind.

fisch-olaf-atlantik
Der erste Fang – Atlantik, 2005

Passatsegeln

10-05-grossbaum
Olaf at work

Von jetzt ab macht das Segeln Spaß Passatwölkchen und Sonne werden abgelöst von sternenklaren Nächten. Der Wind bläst stetig aus Ost bis Nordost und unsere Windsteueranlage, eine Windpilot Pacific tut ihr zuverlässiges Werk. Wir müssen nur zweimal für wenige Stunden den Motor anwerfen, als der Wind kurz abflaut. Die Schleppangel mit dem in Gibraltar erstandenen Köder wird ausgebracht und wir haben prompt Erfolg. Eine wunderschöne bunt schillernde Goldmarkrele beißt an. Wir schlachten sie mit etwas schlechtem Gewissen. In Olivenöl angebraten, nur mit etwas Salz und Pfeffer bestreut schmeckt unser erster Fisch aber einfach köstlich.

Unsere gute Stimmung ist jedoch mit einem Mal dahin. Der Beschlag, der unseren Großbaum mit dem Mast verbindet ist gebrochen. Wir bergen sofort die Segel und beratschlagen betroffen was nun zu tun ist. Olaf, mit Nietzange und starken Aluminiumprofilen bewaffnet, gelingt die Reparatur. Was nur als Notreparatur geplant war, erweist sich nach getaner Arbeit als stabiler denn je zuvor. Zufrieden setzen wir die Segel und nehmen wieder Fahrt auf.

ankerplatz-graciosa-atlanik-segeln
Playa Francesca, La Graciosa

Am sechsten Tag sichten wir im Morgendunst Land. La Graciosa liegt vor uns. Bald fällt unser Anker in der Bucht von Playa Francesca. Wir blicken auf eine bizarre Mondlandschaft, eingerahmt von leuchtend weißen Ständen. Eine Woche bleiben wir auf La Graciosa. Wir ruhen uns aus, baden, schnorcheln, erkunden die Insel oder treffen uns einfach mit unseren Freunden aus Gibraltar, Gaby und Hans von der österreichischen September, zu gemeinsamen Kaffeerunden und Abendessen.

10-05-wir
La Graciosa, Oktober 2005

Es ist nun schon Mitte Oktober. Wir verlassen La Graciosa und segeln entlang der Küste Lanzarotes nach Süden. Drei Tage später laufen wir in die brandneue Marina Rubicon bei Playa Blanca im Süden Lanzarotes ein. Wir sind begeistert. Nagelneue Duschräume, ein Swimmingpool, Waschmaschinen, Restaurants und Läden, Strom und Wasser so viel man will und auch noch direkt am Liegeplatz lassen das Herz des Fahrtenseglers höher schlagen. Wir mieten uns gleich für 30 Tage ein.

Am 15. Oktober trifft unsere Freundin ein, um einen 10-tägigen Urlaub mit uns zu verbringen. Im Oktober ist auch Olafs Geburtstag und wir Mädels lassen ihn gebührend hochleben. Mit Tina unternehmen wir viele Fahrten über die Insel und ankern vor den benachbarten Papagayo-Stränden. Viel zu schnell ist ihr Urlaub vorbei und wir müssen sie wieder verabschieden.

lanzarote-marina-rubicon
Rubicon

Jetzt müssen wir aber ran. Die Arbeitsliste ist lang und wir wollen unseren Marina Aufenthalt nutzen, um Dude für die Atlantiküberquerung vorzubereiten. Schon bald bekommen wir wieder Besuch aus Deutschland. Zum Glück finden wir aber noch etwas Zeit um die heißen Mittagsstunden am marinaeigenen Swimmingpool zu verbringen